Auf und ab

Die Hauptstädte der mittelamerikanischen Länder haben zum grössten Teil keinen guten Ruf. Mexiko Stadt, obwohl wahrscheinlich noch eine der interessanteren, haben wir ausgelassen weil wir nicht mit dem Auto reinwollten; Belmopan in Belize ist so klein, dass wir wohl gerade geblinzelt haben als wir vorbeifuhren und es dadurch verpasst haben und auch von einem Besuch von Guatemala Stadt wurde uns aus mehreren Gründen abgeraten: nix zu sehen, viel Verkehr, unsicher. 

Um in den westlichen Teil von Guatemala zu kommen ist man mehr oder weniger gezwungen die Hauptstadt zu durchqueren. Die Alternative sind mehrere Stunden auf einer Schotterpiste nördlich von Guatemala Stadt (GS) aber danach stand uns nach den schlechten Strassen im Norden wirklich nicht der Sinn. Also war der Plan: wir fahren bis kurz vor die Stadt, übernachten dort und fahren dann früh am nächsten Morgen durch GS und weiter zum Atitlán See. Aber ersten kommt es anders und zweitens als man denkt…


Will man den guatemaltekischen Staatsvogel, den Quetzal, in freier Natur sehen, sollte man morgens gegen 6 Uhr im Biotopo del Quetzal südlich von Cobán sein. Wir waren um 11 Uhr dort und deshalb gibt’s jetzt ein Quetzal Wimmelbild ohne Versprechen, dass darin wirklich ein Vogel zu finden ist


Trotzdem ein sehr schöner Park mit guten Wegen durch den hochgelegenen Nebelwald und viel Kleingefiez! 

Von dort fuhren wir weiter aus den Bergen raus in die Ebene des Rio Montagua und dann wieder bergaufwärts Richtung GS. Und hier beim Hochfahren und Lastwagenüberholen gab es wieder die ersten Ausfallerscheinungen unserer Klimaanlage. Zwei, drei mal erholte sie sich wieder aber auf einmal ging nix mehr: Klima aus, alle Instrumente auf null, Fensterheber und Zentralverrieglung aus – irgend eine Sicherung war raus. 

Ein Schwall böser Verfluchungen an den Mechaniker dem wir am Tag zuvor ein kleines Vermögen bezahlt hatten und dann runter von der Strasse an eine Tankstelle und schauen was wir machen können. 

Und hier möchte ich sagen wie stolz ich auf Michael bin, wie er sich zu Autoproblemen eingelesen hat, Ersatzteile gepackt hat und jetzt auch kleinere Reparaturen selber durchführen kann. Erst mal Sicherung gewechselt, was die Elektrik wieder hergestellt hat aber sobald wir dann den Motor starteten gab es ein lautes Geräusch und Qualm. Diagnose: der Antrieb der Klimaanlage hatte den Geist aufgegeben (was den Kurzschluss in der Elektrik verursachte) und während der Antriebsriemen noch vom Motor bewegt wurde, schleifte er nur noch auf der Seite vom A/C Kompressor. Um weiterfahren zu können mussten wir den Antribsriemen abbekommen – Problem gelöst in dem wir ihn schliesslich einfach durchschnitten. 

Da es immer noch nachmittag und der Verkehr nicht allzu schlimm war entschieden wir uns jetzt doch in die Stadt zu fahren um im Notfall eine Werkstatt in der Nähe zu haben. Wir fanden ein gutes, günstiges B&B in der Nähe des Perférico (wirklich nur ein Durchgangsstrasse durch die Stadt) und kamen ohne weitere Probleme dort an. Nach ein paar Bier und einem Gespräch mit dem super netten Besitzer Luis entschieden wir uns, dass wir erst mal ohne Klimaanlage nach Atitlán weiterfahren und dann erst in Quetzaltenango (Xela) seinen Freund treffen werden der uns helfen wird eine Werkstatt zu finden. 


Jetzt doch mitten in der Haupstadt gelandet überkam uns das Interesse uns doch umzuschauen. Abends liefen wir nur ein bisschen in der direkten Nachbarschaft zu einer Jazzbar und am nächsten Tag ging es entlag wunderschöner grüner Alleen in das historische Zentrum. Auch wenn es nicht gross ist, gibt es ein paar imposante Gebäude und Kirchen, neben ein paar sehr hässlichen Betonklötzen. 


Besonders schön fanden wir den sehr sauberen und vielfältigen Mercado und ausserdem besichtigten wir die riesige Reliefkarte von Guatemala – Touristenfalle seit 1906! 


Hier sieht man auch wie hoch das Gebirge im Südwesten von Guatemala ist und um zu unserem Ziel San Pedro las Lagunas am Atitlán See zu kommen mussten wir noch einige Berge hoch und runter. 

Verkehr aus GS raus war schlimmer als am Vortag aber mehr geschockt hat uns der Anblick der Favelas am Stadtrand. Waren wir vorher noch beeindruckt von der scheinbar sauberen, schönen Stadt so relativierte dies unsere Erfahrung. 

Das Fahren ohne Klimaanlage und mit offenen Fenstern auf der Strecke von GS bis Los Encuentros wird uns Dank der Lastwagen-und Busabgase  wohl einige Wochen unseres Lebens kosten. Die Fahrt rund 1000m runter zum See hat uns erst mal die Bremsen gekostet. Als wir schliesslich anhielten um sie abkühlen zu lassen kam ein Polizeiauto vorbei und die netten Herren warteten mit uns ein halbe Stunde weil es wohl nicht sicher ist sich dort zu lange ausserhalb des Autos aufzuhalten. Muchas gracias!


Nach so viel Action gibt es leider nicht allzuviel von der Gegend um den Atitlán See zu erzählen. Wir sind in einem wunderschönen, grossen AirBnB mit Seeblick (der jedoch die meiste Zeit vernebelt ist) und hier relaxen wir die meiste Zeit in der Hängematte, lesen, kochen und schreiben Blogartikel (wie ihr wohl schon an der erhöhten Ativität in den letzten Tagen bemerkt habt). Gestern haben wir eine Bootstour nach Santiago Atitlán gemacht, das aber trotz grossem Markt keine besondere Stadt ist. Höhepunkt war ein (geplantes) Wiedersehen mit unseren Reisefreunden Shirin und Arash die wir in Oaxaca kennengelernt hatten. 


Das Auto haben wir die letzten Tage stehen lassen und aus unseren Gedanken verbannt. 

Hiermit sind wir mit unseren Erzählungen up-to-date. Morgen geht es weiter nach Xela wo wir ein oder zwei Wochen verbringen werden um einen Spanischkurs zu machen. Sieht aus als sollten wir mit Auto Vokabeln anfangen….

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