Panama – rein, rum und raus

Die achte und letzte Grenzüberquerung hat sich als die nervigste, längste und heisseste entpuppt. Wäre dies unsere erste gewesen, wer weiss ob wir weiter gefahren wären oder ob wir uns stattdessen wie so viele amerikanische Pensionäre in Panama niedergelassen hätten…

Costa Rica nach Panama, Sixaola

1. Auf der Brücke vor der Inspektion und Desinfektionsanlage stauen sich die Autos ein bisschen. Netterweise sagt uns jemand Bescheid, dass eine Person zu Fuss vorgehen kann um die Desinfektion und lokale Einreisesteuer zu bezahlen.

 

2. Für die Desinfektion ist USD 1 fällig, an dem Kiosk am rechten Ende der Brücke. Man erhält eine Bescheinigung.

3. Wenn man dann weiter rechts am Gebäude vorbeigeht kommt man zum Municipio Schalter. Hier haben wir USD 4 pro Person und USD 10 für’s Auto bezahlt. Ziemlich viel und wir hatten vorher unterschiedliche Berichte gehört wieviel es kostet und ob man es überhaupt bezahlen muss/soll. Es scheint obligatorisch zu sein und der Beleg wird später bei der Migración einbehalten.

4. Zurück zum Auto, mit dem Michael gerade durch die Desinfektionsanlage durch ist, Zahlungsbescheinigung vorweisen und dann auf der linken Seite parken.

5. Wir gehen zusammen zum Personenzoll (Migración) der sich bei den Duty Free Geschäften links hinter dem Parkplatz und Containern befindet. Wir geben unsere Reisepässe ab und warten was sonst noch verlangt wird. Nach Internetrecherche sind wir auf folgende Bestimmungen eingestellt:

– USD 500 in bar oder Nachweis, dass man mindestens diesen Betrag auf dem Konto hat. Wir haben einen ausgedruckten Kontoauszug dabei, werden aber nicht danach gefragt.

– Bestätigung für die Weiterreise aus Panama raus. Normalerweise wäre dies ein Flug- oder Busticket, und selbst bei Leuten die mit dem Auto reisen (und dann auf dem Landweg zurück nach Costa Rica fahren würden oder das Auto verschiffen würden) wird dies oft (aber nicht immer) verlangt. Manchmal (aber nicht immer) wird sogar verlangt, dass das Flugticket zurück ins Reisepassland geht.

Wir hatten uns vorbereitet indem wir auf der Webseite flyonward.com für USD 10/Person einen Flug für 24 Stunden “reserviert” haben. Man kann sich das Flugziel dabei nicht aussuchen (möglich aber kostet mehr), wir bekamen Amsterdam zugeteilt, was ein mögliches Problem darstellte, da wir mit amerikanischem bzw deutschem Reisepasse reisen. Ausserdem kennen manche Zollbeamte diesen Trick und rufen bei der Airline an um eine weitere Bestätigung zu bekommen.

Aber Glück gehabt: wir werden sofort nach der Weiterreise gefragt, zeigen die ausgedruckten Flugpläne vor und die Dame vom Zoll ist damit zufrieden. Stempel in den Reisepass, nix bezahlen, fertig.

6. Zurück zum Parkplatz wo wir in einem der Container eine Autoversicherung kaufen müssen. Zuerst ist die gute Dame in der Mittagspause, also warten wir. Als sie zurück kommt dürfen wir mit in ihren (juchuh klimatisierten) Container und sie checkt zuerst mal was sich auf Facebook und WhatsApp in der Zwischenzeit so angesammelt hat….

Irgendwann verlangt sie die üblichen Kopien von Reisepass, Führerschein und Zulassung und fängt an unsere Daten aufzunehmen was aber ein schrecklich langsamer Prozess ist (wir sehen ihren Computer Bildschirm und es ist unglaublich wie oft man in einer Dropdown Liste an “Toyota” hoch und runter vorbeiscrollen kann…).

Dann haben wir eine längere, fast philosophische Diskussion was ein Auto ausmacht – das Fahrgestell oder der Motor. Auf dem Zulassungsschein (aus Minnesota, USA) steht nur “VIN-Vehicle Identification Number” sie hat aber zwei Felder – “Chassis” und “Engine”. Wir wissen aus anderen Blogs, dass es für die Verschiffung wichtig ist, dass in diesem Fall in beiden die gleiche (VIN) Nummer angegeben wird. Und warum die Zulassung keine Farbe angibt, wenn ihr Formular das doch braucht, können wir ihr auch nicht erklären…wir werden aber das nächste Mal in Minnesota nachfragen…Leider kann sie in beiden Fällen nicht selber entscheiden sondern muss jedesmal per WhatsApp bei ihrem Chef anrufen und eine Sprachnachricht hinterlassen worauf er dann per Textnachricht antwortet. Und wenn sie dann schon mal auf WhatsApp ist….So geht es dann ziemlich lange hin und her, auch weil wir uns weigern das Dokument ohne Eintrag bei Chassis- und Motornummer anzunehmen, aber irgendwann sind wir alle glücklich.

Nur noch ausdrucken….aber zuerst hat Drucker 1 Paperstau, dann findet sie Drucker 2 nicht in der Dropdownliste, dann frisst Drucker 1 das Papier, dann kann Drucker 2 den Billigtoner nicht finden….wie gut, dass Michael mal im IT Support gearbeitet hat und solche Problem gerne und geduldig löst (😁😤🤐).

Dann noch USD 50 für die Versicherung bezahlen und nix wie raus hier!

7. Am Fenster vom Nebencontainer geben wir wieder je eine Kopie von Reisepass, Führerschein und Zulassung ab sowie unseren harterworbenen Versicherungnachweis. Dann schliesst sich das Fenster und es passiert lange Zeit nichts….sehr lange Zeit…während es sehr heiss ist…..und es kein bisschen Schatten zum Unterstellen gibt…sehr, sehr lange Zeit….

Irgendwann kommt ein anderer Zollbeamte mit mehreren Frauen mit sehr grossen Koffern – einreisende Jamaicanerinnen die Verkaufswaren nicht angegeben haben. Da jetzt so viele Leute in dem Container sind, dass die Tür nicht mehr zugeht dürfen wir ihnen beim Schuhe-nach-Grösse-ordnen-und-zählen zuschauen. Das scheint wichtiger zu sein als unser Papierkram. Irgendwann erhalten wir die temporäre Importbewilligung und die Versicherung zurück und sind erlöst.

9. Beim Verlassen der Grenze wird nirgends an einer Schranke nochmals geprüft ob man alle Stempel und Dokumente hat. Erst ein paar km später werden wir von einem Polizisten angehalten der TIB/Versicherung sehen will.

Fahren in Panama

Die Hauptstrassen in Panama sind besser als in Costa Rica und auch die Nebenstrasen sind generell nicht schlecht aber manchmal erwischt man eine mit vielen Schlaglöchern. Der Panamerican Highway wird zur Zeit auf gut 150km zwischen David und Santiago vierspurig ausgebaut – wenn sie all die Arbeite die jetzt mit dem neuen Panamakanal fertig  sind holen, sollte das hoffentlich bald fertig sein.

Der Verkehr in Panama Stadt ist besonders zu Stosszeiten dicht und zu allen Zeiten geprägt von lautem Hupen. Die Beschilderung ist relativ gut, zusammen mit Google Maps haben wir Hotel, Kontrollstellen, Hafen etc gut gefunden.

Panama nach USA, Manzanillo International Terminal

Von Panama verschiffen wir El Carro zurück nach Miami um dann von dort nach Cape Cod zu fahren.

Wir haben etwa 2 Wochen vorher angefangen Schiffsmakler zu kontaktieren und wir hatten die Wahl zwischen RORO (roll on, roll off) und Containertransport. Obwohl um einiges teurer, haben wir uns für Container entschieden weil a) der Zeitplan besser ist (häufiger und Transport dauert eine Woche statt drei Wochen) und b) es wahrscheinlicher ist, dass alle Wageninhalte (Campingsachen, Gefrierschrank, Souvenirs(!!!)) auch tatsächlich ankommen.

Die Abwicklung vor Ort dauert im Idealfall zwei Tage und wir entscheiden uns, das zuerst zu machen bevor wir dann Panama Stadt noch ein paar Tage touristisch erkunden. Wie schon oft zuvor haben wir für dieses Prozedere Information auf iOverlander benutzt. Vor allem am zweiten Tag war dies sehr hilfreich, da am Hafen nicht viel ausgeschildert ist. Ich gebe deshalb in diesem Artikel nicht die genauere Adressen an, die Markierung auf iOverlander sind korrekt.

1) Tag 1: wir benötigen eine Polizeiinspektion um sicherzustellen, dass das Auto immer noch dasselbe ist wie in unserer TIB und dass es keine Knöllchen oder sonstige offene Verkehrsdelikte gegen das Auto gibt. Die Direccion de Investigación Judical (DIJ) prüft Autos zwischen 8 und 10 am Morgen. Man sollte entweder früh da sein um sich eine Nummer zu sichern oder darauf hoffen, dass nicht zu viele Leute da sind und man gegen 9.30 direkt drankommt.

Benötigt werden: je 1 Kopie der temporären Importbewilligung und Autoversicherung von Panama, Fahrzeugzulassung und Reisepass. Im Gegensatz zu der Begutachtung der Autos die importiert werden läuft es bei uns als er “Export” hört ziemlich schnell. Der Polizist behält alle Kopien und als er zufrieden ist bestätigt er, dass wir mittags zurück kommen können um die Bescheinigung abzuholen.

2) Immer noch Tag 1, nachmittag: ab zwei Uhr kann man die Bescheinigung im DIJ Gebäude auf der anderen Seite der Strasse abhalten. Während wir vor dem “Secretary General” Büro warten treffen wir noch auf andere Overlander (richtige, solche die auch nach Südamerika fahren….) die den selben Spass mitmachen. Zuerst muss ein Formular ausgefüllt und dann Kopien (TIB und Autoversicherung von Panama, Fahrzeugzulassung Führerschein und Reisepass) abgegeben werden. Nach längerem Warten erhalten wir dann das polizeiliche Führungszeugnis für’s Auto. Für den nächsten Tag braucht man drei Kopien davon. Unser Hotel war supernett und hat uns während der Woche gefühlte 100 Dokumente ausgedruckt und kopiert!

Das war’s für Tag eins – wir empfehlen ein Bier und früh ins Bett und mentale Vorbereitung für Tag zwei wo es zum Hafen in Colón geht.

3) Tag 2, erste Station: zuerst fahren wir zum Büro unserer Reederei (Seabord). Unsere Schiffsmaklerin die den Transport für uns gebucht hat, hat uns ein paar Tage vorher den Ladeschein (Bill of Lading – BL) zugemailt den wir 4x ausgedruckt haben. Im Seabord Büro werden alle vier Kopien unterschrieben und abgestempelt.


4) Tag 2, zweite Station: weiter zum Aduanabüro, das ausserhalb vom Hafen ist, etwa zwei km zurück Richtung Panama. Wir haben draussen an der Hauptstrasse (an der Ausfahrt) geparkt und sind dann zu Fuss in das Gelände – durch’s Tor, nach rechts und das verantwortliche Büro ist die letzte Tür rechts wenn man auf das Gebäude zugeht.

Hier werden wir wieder einen Berg Kopien los: jeweils 3x Reisepass, Führerschein, Zulassung, Versicherung, TIB, BL, und Polizeidokument.

Sie druckt 3x die Exportbewilligung die wir unterschreiben und dann  heftet sie alles in drei wunderschönen Stapeln zusammen. Sie behält einen, wir bekommen zwei zurück und der Autoimportstempel in Michaels Reisepass wird abgestempelt.

5) Tag 2, dritte Station: wieder zurück zum Hafen….dort wo man vorher so viele Leute hat anstehen sehen. Um die Ecke und bei den vielen Fenster zuerst zu dem das “Aduana-Exportación” sagt. Hier wird einer der  Papierstapel eingezogen und auf dem letzten der einem bleibt kommt ein neuer Stempel auf die Bill of Lading. Dann nebenan zum Abschnitt der mit “Almacenaje” gekennzeichnet ist, am Schalter “1” gibt es den letzten Stempel auf die BL und man zahlt USD 71 Hafengebühr. Man bekommt eine Rechnung und sie machen von sich aus auch eine Kopie von Rechnung und der BL die jetzt 4 Stempel/Unterschriften haben sollte (Reederei, Aduana 1, Aduana 2, Almacenaje).

6) Tag 2, vierte Station: der letzte Schritt ist es das Auto zum Valet Parkplatz zu bringen. Man kann nicht sofort reinfahren sondern muss zuerst draussen parken und den überdachten Gang entlang gehen um dann an einem der Container den letzten Dokumentenstapel abzugeben. 

Wenn sie damit zufrieden sind, dass man alles zusammen hat, darf normalerweise nur der Fahrzeughalter das Auto auf’s Gelände fahren. Ich habe auf der Containerseite gewartet und gefragt ob ich denn zu Fuss rüber darf um Michael beizustehen und sie haben mich durchgelassen. Andere Berichte sagen, dass man auch nur mit langer Hose rein darf, aber Shorts waren bei uns kein Problem. Vielleicht war das früher der Fall, als man das Auto noch direkt in den Container fahren durfte, wir haben es wie gesagt nur auf einem Parkplatz abgestellt.

Letzte Chance noch Sachen aus dem Auto zu holen oder darin zu verstauen. Dann wird es zuerst von einem Hafenmitarbeiter überprüft und abfotografiert und anschliessend hat ein Securitymitarbeiter es genauer inspiziert und mehrer Kisten und Taschen rausgeholt die dann von einem Hund abgeschnüffelt wurden. Wenn alle froh sind erhält man ein Dokument das bestätigt, dass das Auto abgeliefert wurde und fertig. Bye, bye El Carro.

Vom Hafen findet man leicht ein Taxi zur Busstation in Colón und von dort fahren häufig Busse zurück nach Panama Stadt wo man sich, nach einer kalten Dusche,  ein Bier oder vier genehmigen sollte um zu feiern dass man jetzt ein paar Tage autofrei ist und man beim nächsten Grenzübergang nur einen Stempel in den Reisepass braucht.

Was für eine Rennerei….die “Hilfe” die wir vor Ort von Reederei und Makler bekamen war leider nicht so gut wie die Informationen die wir vorher in Internetblogs und auf iOverlander gelesen hatten und ich hoffe, dass auch dieser Artikel eines Tages jemandem das Leben leichter macht! Hier und da spricht zwar auch mal jemand Englisch aber wir waren froh inzwischen genug Spanisch zu verstehen/sprechen um an jem Schritt sicherzustellen, dass alles nach Plan läuft. 

In einer Woche fährt das Schiff los und in zwei Wochen hoffen wir El Carro (hoffentlich mit allem Inhalt) in Miami wiederzusehen. Dann mehr Hafengeschichten.


 

 

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